Freitag, April 29, 2005

Generation Kohl

Dieses Land ächzt nach wie vor unter den Folgen der Kohl-Ära. Diese 16 Jahre haben auch eine Generation Kohl hervorgebracht, die sich für viele relevante Themen einfach nicht mehr interessiert - unter anderem für ihre eigene Zukunft. Das hat Auswirkungen auf den deutschen Teil der Blogosphäre. Denn genau deshalb bloggt die Generation Kohl prinzipiell über eher randständige Themen und nimmt die Mainstream-Medien durch den Kuriositätenfilter wahr.

Diese unter den Bloggern stark vertretene Generation - zu der ich auch gehöre - ist einfach unpolitisch geworden, sie will ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr regeln, sondern fügt sich in ihr Schicksal, als sei es unvermeidlich. Statt Kohl jetzt eben Rot-Kohl Schröder - who cares? Da könnte man in der Tat von Bloggern anderer Herren Länder lernen.

Klickbetrug

Da hier ab und an jemand mit dem Suchwort Klickbetrug vorbeikam: klickbetrug.de [via Nico Zorn]

Donnerstag, April 28, 2005

Weltspringtag

Mal abwarten, wie lange es dauert, bis der World Jump Day durch den weltweiten Aufmerksamkeitsdschungel tobt. Bis jetzt ist es noch recht still um ihn.

Greasemonkey

Vorgestern hörte ich zum ersten Mal von Greasemonkey. Hätte ich mal regelmäßiger Oliver Gassner gelesen - der wusste schon Mitte April davon. Blogstats findet die ersten Erwähnungen im Januar. Und bei Technorati finden sich ältere Einträge, die sich offensichtlich auf völlig andere Dinge gleichen Namens beziehen. :)

Donnerstag, April 14, 2005

Schmidt am Dienstag

Habe ich es nicht gesagt?

Schmidtwatch

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl wurde mal wieder 75.
Es wurden große Reden gehalten, Kohl war sehr gerührt. Und ganz
hinten in Reihe 4 bis 17 gingen Schilder hoch: Santo subito.
Harald Schmidt (13.04.2005)

Mittwoch, April 13, 2005

Rechtschreibung

Die Aachener Zeitung kann die ganze Debatte um die Reform nicht nachvollziehen:
"Was werden sie im Ausland wieder mal den Kopf über uns schütteln: Rechtschreibreform hü, Rechtschreibreform hott, Getrenntschreibung vor, Getrenntschreibung zurück. Da haben wir uns gerade daran gewöhnt, dass es keine vielversprechenden Politiker mehr gibt, sondern nur noch viel versprechende, da kommen die Herrschaften vom Rat für deutsche Rechtschreibung und finden, dass das alles zu schwierig und irgendwie unlogisch und undurchsichtig sei. Als ob Rechtschreibung jemals etwas anderes als schwierig und undurchsichtig war! Fragen Sie mal ihre Kinder. Oder besser: Fragen Sie sich selbst!"
[via Deutschlandfunk/Presseschau]

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Dienstag, April 12, 2005

Klickbetrug und der Markt

Das Dialogmarketing-Blatt One-to-One hat sich übrigens schon in seiner März-Ausgabe mit dem Thema Klickbetrug befasst. Der Artikel gibt einen guten Überblick über die Lage der Dinge aus Sicht der Direktwerber und schließt mit einem marktoptimistischen Ausblick von Michael Dieckmann (CyberTechnologies):
"Sein Credo: 'Der Markt wird's richten.' Sinkt die Konversionsrate durch manipulierte Klicks, fallen zwangsläufig auch die Klickpreise."

Montag, April 11, 2005

Kapital und Arbeit

Ein "kleines, krudes Pamphlet" (so die DLF-Rezension) macht Furore: Mit Bonjour paresse gelang Corinne Maier in Frankreich der Sprung in die Bestsellerlisten. Wenn ich die Besprechung richtig verstanden habe, so nimmt die Autorin eigentlich die neuen Austauschverhältnisse von Kapital und Arbeit unter die Lupe. Sie tut das allerdings mit spitzer Feder und Schalk im Nacken (um mal ein paar abgegriffene Bilder zu strapazieren):
"Arbeiten Sie nie", sagte der Situationist Guy Debord. Was für ein wunderbarer Plan, allerdings schwer zu verwirklichen. [...] Hört, hört, Ihr mittleren Angestellten großer Betriebe! Dieses provozierende Buch soll Sie "demoralisieren", genauer gesagt, es soll Ihre Arbeitsmoral untergraben. Es wird Ihnen helfen, sich des Unternehmens zu bedienen, in dem Sie beschäftigt sind, während bisher lediglich Sie dem Unternehmen dienten. Es wird Ihnen erklären, warum es in Ihrem Interesse ist, so wenig wie möglich zu arbeiten, und wie man das System von innen torpediert, ohne dabei aufzufallen. [...] Ist Die Entdeckung der Faulheit ein zynisches Buch? Ja, und zwar absichtlich, das Unternehmen ist schließlich auch keine humanistische Institution.
Eine Art Ruf zu den Waffen im ungleichen Kampf? Hören wir Rezensentin Barbara Eisenmann:
Weltweit befinden sich die großen Konzerne gerade in der härtesten antisozialen Offensive des letzten halben Jahrhunderts. Sie vernichten Arbeitsplätze, wo es nur geht, legen ihr Kapital lieber nicht-investiv an, und siehe da, die Gewinne steigen, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. [...] Die neuen Verhältnisse von Kapital und Arbeit, die klare Verschiebung von Macht zugunsten des Kapitals und entsprechend die Ohnmacht auf der anderen Seite, aber auch die Undurchsichtigkeit der Machtverhältnisse im Unternehmen heute analysiert die Autorin von ihrer kommunikativen Seite her. [...] Was allerdings Irritationen auslöst und den medialen Hype um das Buch zu einer widersprüchlichen Angelegenheit macht, ist der Ort, von dem aus die Autorin spricht: den eher höheren Etagen der Angestelltenwelt nämlich. Sind ihre phänomenologischen Skizzen durchaus intelligent und die witzig-bösartigen Formulierungen auch erhellend unterhaltsam, so ist der das ganze Buch grundierende mimetische Zynismus und letztlich eben auch sein diskursiver Rahmen, der dem Motto folgt "Ihr höheren Angestellten solltet euch ganz so verhalten, wie es eure Konzernchefs tun, nämlich wie Parasiten", einigermaßen fragwürdig. Und die postideologische Selbstinszenierung der Autorin wirkt dabei bloß mehr wie eine Allüre. Denn wer kann sich heutzutage eine solche Haltung überhaupt leisten, wo die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes nicht ohne Grund grassiert. Dass sie selber in zahlreichen Interviews das Buch als "gelungene Farce" verkauft, macht die Sache nicht besser, denn es nimmt den durchaus im Text vorhandenen ernsthaften Ansätzen einer Kritik an der herrschenden Ökonomie den Wind aus den Segeln. (Ihre Verleger von Random House und die Bertelsmann freilich dürften sich genüsslich die Hände reiben.)
Welche Erwartungen kommen hier ans Tageslicht? Wenn es so ist, dass die Nachfrage nach Kapital im weltweiten Maßstab steigt, die nach Arbeit hingegen sinkt (und dafür spricht einiges), dann folgt daraus zwangsläufig, dass die Preise für ersteres steigen und für zweitere sinken. Fallende Reallöhne oder ersatzweise Arbeitslosigkeit und wachsende Gewinne gehören unmittelbar zusammen - aber nicht aus moralischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Das Buch scheint in diesem veränderten Bezugsrahmen zu verbleiben, die Verhältnisse zu ironisieren, statt sich mit "ernsthaften Ansätzen einer Kritik an der herrschenden Ökonomie" abzugeben. Warum auch nicht? Spricht das etwa gegen Maier?

Corinne Maier: Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun. Goldmann Verlag, München 2005, 155 Seiten, 12,20 Euro

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Donnerstag, April 07, 2005

Stärke des Mediums

Zu den großen Vorzügen des Fernsehens gehört seine Fähigkeit, Bilder in Echtzeit, unkommentiert und direkt zu übertragen. Eine Spitzenleistung dieser Art vollbringt in diesen Tagen der ORF - allerdings im Internet. Er zeigt einen Livestream aus dem Petersdom, wo Tausende und Abertausende am aufgebahrten Papst vorbeiziehen. Dazu erklingen Lieder, Litaneien und Gebete. Kein Kommentator stört den Bilderfluss. Kameraführung und Bildregie sind nahezu auf dem Standard, den wir vom alljährlichen Neujahrskonzert aus Wien gewohnt sind. (Gelegentliche Pannen könnten auch den Tücken der Streaming-Technik zuzuschreiben sein.) Medialer Abschied von einem, der die Möglichkeiten der Medien von Anfang an zu nutzen wusste.

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Mittwoch, April 06, 2005

Klickbetrug

Die FTD informiert über die aktuelle Risikolage, in der Google durch offenbar grassierenden Klickbetrug schwebt. Viel interessanter ist aber, dass demnach der Suchbegriff "Krankenversicherung" in Deutschland zu den am besten bezahlten Adsense-Keywords gehört. Da bin ich ja mal neugierig.

Montag, April 04, 2005

Unique Selling Proposition

Die Berliner Zeitung gibt eine erstaunlich klare Einsicht zu Protokoll:
"Global betrachtet ist die schmerzhaft scharfe Konturierung, die Wojtyla und Ratzinger der Kirche gaben, ihrer Verbreitung vermutlich dienlicher als eine Aufweichung der Positionen. Im Marketing nennt man das 'unique selling proposition'. Verwechselbare Produkte sind nicht absetzbar."
[via Deutschlandfunk/Presseschau]

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