Sie hat es wahrlich schwer, die gute alte Bahn. Was immer sie tut, es wird kritisch bis zur Mäkelei beäugt. Beispielhaft zu sehen in der heutigen
Presseschau des Deutschlandfunk. Aus dem Gemecker ragen zwei Stimmen heraus, die offensichtlich halbwegs begriffen haben, wozu die Lidl-Aktion gut war (und wozu nicht). Das
Handelsblatt meint:
"Bei einem Fernverkehrsumsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr sind die erwarteten 25 Millionen Euro Umsatz zwar wenig mehr als ein Zubrot. Doch als kostenlose Beigabe bekommt die Bahn ein breites Medienecho. Und das mit einem Nachhall im Internet, wo die Billigtickets bereits gestern Mittag für 80 Euro feilgeboten wurden. Klar, dass die Bahn solche Spekulationen offiziell nicht gutheißen kann. Im Gespräch bleibt sie dadurch aber weiterhin und kann entspannt beobachten, wo die preisliche Schmerzgrenze ihres Tickets tatsächlich liegt."
Einen anderen Aspekt beleuchtet die
Süddeutsche:
"Keiner verlangt von Billig-Fluggesellschaften, dass sie sich für ihre täglich wechselnden und stets knappen Sonderangebote rechtfertigen. Geht es allerdings um die Bahn, dann tauchen oft eigentümliche Reflexe auf: Die Kunden seien unmündig und müssten unter allen Umständen und jederzeit vor dem Transport-Unternehmen geschützt werden. Dieses Zerrbild bedarf dringend der Korrektur. Märkte, Bedürfnisse und Kunden ändern sich ständig, da darf die DB nicht stehen bleiben und ihre Tickets nur über Fahrkartenschalter und Reisebüros anbieten, bloß weil es halt viele Jahrzehnte so war."
Allein die Medienberichterstattung war schon die Aktion wert - selbst wenn kein einziger Neukunde gewonnen würde und ausschließlich preissensible Stammkunden ein paar Euro gespart hätten. Die Bahn wird mit preiswerten Fahrkarten und hoher Nachfrage assoziiert - ein Feld, das sie bis jetzt weitgehend kampflos den Billigfliegern überlassen hatte.