Dienstag, Mai 24, 2005

Wahlabend

Michael Hanfeld auf der Medienseite der FAZ:
"Als ob die sattgefütterten Werbeagenturen vom Goldenen Hirschen bis zum hölzernen Eber bei ihrem Tanz ums tönerne Kalb nicht längst mit ihrem Latein des postmodernen Stimmungswahlkampfes am Ende wären: Die Stimmung ist genauso mies wie die Lage, vor allem für die Mittelschicht, der Münteferings Heuschrecken-ad-hoc-Mitteilung die Angst vor dem Absturz nicht nimmt, nur die Gewißheit gibt, daß diese Bundesregierung weiter nicht mehr weiß und will. Die Regierung, die sie dann ablöst, allerdings vielleicht auch nicht. Nur die Experten im Studio nehmen das noch nicht wahr, sie bekommen die Leerformeln, an denen die politische Kommunikation dieses Landes erstickt, vor jedem Auftritt intravenös." [via Perlentaucher]

Böse, böse. (Eigentlich war sein Thema die Performance der TV-Sender am Wahlabend, der zum Wahlkampfauftakt wurde.)

Freitag, Mai 20, 2005

Die Bahn kommt

Sie hat es wahrlich schwer, die gute alte Bahn. Was immer sie tut, es wird kritisch bis zur Mäkelei beäugt. Beispielhaft zu sehen in der heutigen Presseschau des Deutschlandfunk. Aus dem Gemecker ragen zwei Stimmen heraus, die offensichtlich halbwegs begriffen haben, wozu die Lidl-Aktion gut war (und wozu nicht). Das Handelsblatt meint:
"Bei einem Fernverkehrsumsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr sind die erwarteten 25 Millionen Euro Umsatz zwar wenig mehr als ein Zubrot. Doch als kostenlose Beigabe bekommt die Bahn ein breites Medienecho. Und das mit einem Nachhall im Internet, wo die Billigtickets bereits gestern Mittag für 80 Euro feilgeboten wurden. Klar, dass die Bahn solche Spekulationen offiziell nicht gutheißen kann. Im Gespräch bleibt sie dadurch aber weiterhin und kann entspannt beobachten, wo die preisliche Schmerzgrenze ihres Tickets tatsächlich liegt."
Einen anderen Aspekt beleuchtet die Süddeutsche:
"Keiner verlangt von Billig-Fluggesellschaften, dass sie sich für ihre täglich wechselnden und stets knappen Sonderangebote rechtfertigen. Geht es allerdings um die Bahn, dann tauchen oft eigentümliche Reflexe auf: Die Kunden seien unmündig und müssten unter allen Umständen und jederzeit vor dem Transport-Unternehmen geschützt werden. Dieses Zerrbild bedarf dringend der Korrektur. Märkte, Bedürfnisse und Kunden ändern sich ständig, da darf die DB nicht stehen bleiben und ihre Tickets nur über Fahrkartenschalter und Reisebüros anbieten, bloß weil es halt viele Jahrzehnte so war."

Allein die Medienberichterstattung war schon die Aktion wert - selbst wenn kein einziger Neukunde gewonnen würde und ausschließlich preissensible Stammkunden ein paar Euro gespart hätten. Die Bahn wird mit preiswerten Fahrkarten und hoher Nachfrage assoziiert - ein Feld, das sie bis jetzt weitgehend kampflos den Billigfliegern überlassen hatte.

Mittwoch, Mai 18, 2005

Lorenz-Meyer

Inzwischen bloggender Professor, spricht er über digitale Medienszene und klassischen Journalismus.

Mittwoch, Mai 11, 2005

Heuschrecken revisited

Neben Enzensberger analysiert im Spiegel auch Sprachforscher Uwe Pörksen die Rhetorik von Franz Müntefering.

Armes Handelsblatt

Nicht einmal der Server schenkt ihm Glauben.

Montag, Mai 09, 2005

Enzensberger

Köstlich: Hans Magnus Enzensberger schreibt im Spiegel über die Sprache der Kapitalismus-Debatte. Auszug:
Ein deutscher Politiker, nennen wir ihn der Einfachheit halber M., hat vor wenigen Wochen eine sensationelle Entdeckung gemacht. Er hat nämlich festgestellt, dass sich hinter der harmlosen Tarnbezeichnung "die Wirtschaft", was ja bis dahin kaum jemand geahnt hat, der schiere Kapitalismus verbirgt. Aber damit nicht genug: Herr M. konnte mit einer noch weit schlimmeren Erkenntnis aufwarten. Es ist ihm nämlich aufgefallen, dass es sich um eine Erscheinung handelt, die nicht nur liebenswerte Züge aufweist.

Die Aufregung, die diese Enthüllungen hervorriefen, war beispiellos. Das K-Wort, das jahrzehntelang nur den Mitgliedern linker Lesezirkel geläufig war, prangte auf einmal auf den Titelseiten sämtlicher Zeitungen. Die Talkshows haben sich von dem Schock, den das auslöste, bis heute nicht erholt. Wer hätte gedacht, hieß es nun, dass in einem ordentlichen Sozialstaat wie dem unseren so böse Kräfte am Werke sind? Dass sich Gier, Ausbeutung und Profitdenken, ja, so gefährliche Erscheinungen wie der Wettbewerb und der Weltmarkt hinter dem Rücken einer nichtsahnenden Regierung ungehindert breit machen konnten?

Klickbetrug im Handelsblatt

T[homas] Knüwer und K[evin J.?] Delaney erklären uns das Thema Klickbetrug und führen ein paar beispielhafte Fälle auf. Der Rest ist Stefan Keuchels Mantra: "Klickbetrug ist für uns in Deutschland ein Thema."

Mittwoch, Mai 04, 2005

Abrechnung

Harald Schmidt zieht über Köln her. In der FAZ. [via medienrauschen]

Dienstag, Mai 03, 2005

Kapitalismuskritik

Was mir an der aktuellen Debatte am meisten gefällt, ist ihr Name. Ohne Umschweife wird hier der Kapitalismus beim Namen genannt - und im Grunde genommen für seine pure Existenz kritisiert.

Aber war nicht bislang immer von (sozialer) Marktwirtschaft die Rede? Und signalisierte das Wort Kapitalismus nicht etwa, dass sein Verwender sich gerade anschickte, den Boden der FDGO zu verlassen?

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.