Mittwoch, August 10, 2005

Sprache

In der Sendung mit der Maus war neulich zu sehen, wie Felsgestein auf dem Weg vom Gebirge bis zum Meer durch einen Fluss langsam zu feinstem Sand zermahlen wird. Etwa so muss man sich wohl die Veränderung unserer Sprache vorstellen: Am Ende zerbröseln die Begriffe. Ein ehemaliger Wortfels ist schon zu Kieselgröße geschrumpft.

Sinnentleerung

Seitdem ich das Internet kenne, wird dort der Begriff Zensur derart inflationär verwendet, dass er fast völlig seinen Sinn verliert. Ich bin geneigt, von früher zu erzählen.

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, als Zensur eine staatliche Maßnahme bezeichnete. Wie ein Echo aus diesen fernen Tagen klingt Artikel 5 des Grundgesetzes:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
Selbstverständlich schließt das Grundgesetz damit staatliche Zensur aus - es handelt sich ja um den Katalog der Grundrechte, die als Freiheitsrechte der Bürger dem Staat gegenüber definiert waren (auch das hat sich geändert).

Heute muss sich jeder Weblogautor, der blödsinnige Kommentare löscht, mit dem Vorwurf konfrontieren lassen, er betreibe "Zensur". Früher hätte man gesagt: Er nimmt seine redaktionelle Verantwortung wahr...

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.